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Die demokratischen Kräfte im Land haben gesiegt! Guttenberg ist zurückgetreten.

01 Mrz

Als zwischen dem 13. und 15. Februar diesen Jahres so langsam bekannt wurde, dass die Doktorarbeit von Herrn zu Guttenberg möglicherweise Textstellen von anderen enthält, ohne dass diese als solche gekennzeichnet sind, schwante mir Böses für den Bundesminister der Verteidigung.

Guttenberg war in der jüngsten Vergangenheit zum Politikerstar sternschnuppengleich erschienen. Ich dachte darüber nach, ob jetzt möglicherweise ein Run auf die Doktorarbeit einsetzt, um diese auseinanderzunehmen. Das Internet bietet heute schließlich Zugang zu unzähligen Informationen, die allein schon aus Google leicht herausgekitzelt werden können. Dass sich daraus ein Hype, wie dieser entwickelt, hatte ich allerdings nicht erwartet. Innerhalb von wenigen Tagen war die Arbeit seziert und auf einer Internetseite mit den Originalquellen dem interessierten Publikum zur Schau gestellt. Auch ich sah mir die textvergleichenden Seiten auf GuttenPlag an … und war erschüttert. Mir wurde als Student von unseren Professoren eingebläut, Fremdgedanken immer mit korrekter Angabe des Autors bzw. der Quelle zu nennen. Die Konsequenzen bei gegenteiligem Handeln könnten bis zur Exmatrikulation führen.

In dieser Doktorarbeit finden sich adhoc vollständig kopierte Absätze, ohne auch nur den geringsten Versuch zu unternehmen, wenigstens den Text im Rahmen des eigenen Stils zu modifizieren. Unglaublich! Für mich stellte sich dies zunächst nur als reine Fakten da. Ich dachte nur kurz darüber nach, ob dies politische Konsequenzen hätte. Im Kern erwartete ich, dass Guttenberg bald eine Stellungnahme abgeben würde und in dieser auch zugeben würde, dass er hier nicht korrekt gearbeitet hat. Wie naiv!

Dann kam der Tag der Bundespressekonferenz, die sensationell zu Ende ging, da Guttenberg in einer Art Privataudienz vor wenigen, ausgewählten Journalisten seine Wahrnehmung zur (da noch nicht) Plagiatsaffäre darstellte und die anderen, offiziellen Pressevertreter vor den Kopf stieß.

Ich war entsetzt aus zwei Gründen. Erstens stellte er die Tatsache selbst in Frage und Zweitens, falls wirklich Fehler vorhanden wären, habe er diese unbewusst und ohne Absicht gemacht. Beiläufig war für mich die Posse, als er vorübergehend auf seinen Doktortitel verzichtete, bis sich alles aufgeklärt habe. Bei dieser Anzahl und dem Umfang von offensichtlichen Plagiaten kann kein rational denkender Mensch glaubhaft erklären, ohne Absicht gehandelt zu haben.

Dies war für mich der Zeitpunkt, wo ich mir die Frage stellte, hat er die Arbeit überhaupt gelesen? Denn geschrieben konnte er sie nicht haben. Aber wenn er sie nicht geschrieben hat, hat er dies dann auch unbewusst getan? Ab hier geriet der „Vorfall“ Guttenberg zu einer Affäre und für Guttenberg auch außer Kontrolle.

Entsprechend war das Medienecho und die Reaktionen der vielen Blogger und Twitterer im Internet. Beispielsweise waren auf Twitter die tags #Guttenberg oder #Guttbye zeitweise weltweit an erster Stelle der getwitterten Themen! Interessant waren auch die Reaktionen aus der akademischen Welt:

Ein offener Brief an die Bundeskanzlerin Merkel wurde von über 60.000 Akademikern und Unterstützern unterschrieben.
Professoren äußerten sich öffentlich in einer Form, wie ich es noch nie gehört habe (z.B. im Interview in BR online Herrn Professor Lepsius)… und die offiziellen Medien, Twitterer und Blogger gaben nicht nach.

Selbstverständlich waren für mich die Durchhalteparolen und Unterstützungen insbesondere von Frau Merkel. Hier zeigt sich klar, dass Machterhalt alles andere dominiert und sei es um den Preis, die akademische Szene in Deutschland zu verhöhnen.

Was mich aber sehr verwundert hat, war die breite Unterstützung der Bevölkerung in unserem Land für Guttenberg. Haben wir denn nicht wirklich besseres zu tun, als Blendern und Verschleierern hinter her zu laufen, nur weil sie poptitanengleiche Ausstrahlung haben? Wo bleibt das Reflektieren über offenkundige Fehlhandlungen dieser Personen? Blindes Hinterherlaufen und schwelgen in Jubelparolen… das kennt Deutschland schon aus dem 20ten Jahrhundert. Nun gut.

Die Selbstreinigungskräfte, welche die Medien, Blogger und Teile der Bevölkerung in Gang gesetzt haben, führten heute jedenfalls zum einem Sieg der Demokratie. Herr Guttenberg ist zurückgetreten. Journalisten und die Internetgemeinde (Blogger, Twitter und kollektiv kollaborierende Kräfte) sind damit endgültig verschmolzen und eine nicht zu unterschätzende Macht in diesem Land geworden. Politiker können heute tatsächlich „Volkeswille“ erfahren, in dem Sie durch diese spezielle Form der Kommunikation in ihre Schranken verwiesen werden.

Ja und in der Tat, es war möglicherweise nur eine Sternschnuppe. Wollen wir hoffen, dass kein Komet daraus wird, diese kommen nämlich nicht selten wieder.

Geschrieben am 1. März 2011

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Verfasst von - 01/03/2011 in News, Politik

 

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