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Vom Märchen der Beherrschung der Natur durch den Menschen

12 Mrz

A) Sachverhalt

Es begann am Mittwoch, 9. März 2011, 2 Uhr 45 und 20 Sekunden UTC (siehe auch FAZ). Ein Erdbeben der Stärke 7,2 auf der nach oben offenen Richterskala (RS) erschüttert den Meeresboden östlich der japanischen Insel Honshu.

imageQuelle

Ab ca. 7 Erdbebenstärken besteht die Gefahr eines Tsunamis. Doch nach diesem Erdbeben bleibt alles ruhig. Auch am nächsten Tag ist die Situation in dieser Region nicht weiter auffällig. Im Gegenteil der ganze Planet scheint an diesem Tage zu ruhen; Luft zu holen. Es wird auf dem ganzen Erdball nur ein stärkeres Erdbeben mit RS 6,5 in der Bali Sea registriert.

Es ist ein ruhiger Tag am Freitag, den 11. März 2011 in Japan. Die ganze Welt schaut nach Nordafrika, insbesondere nach Libyen. Diktator Gaddafi tötet systematisch das libyische Volk mit Hilfe seines Militärs und gekaufter Söldner, während der Westen, hier insbesondere die EU auf einem Gipfel in Brüssel tagt, um vergeblich eine gemeinsame, aber auch wirksame Linie zu finden. Um 5 Uhr 46 und 23 Sekunden UTC begannen die Seismografen ein Erdbeben zu registrieren, welches in seinen Ausmaßen bisher nur vier Mal stärker verzeichnet worden ist. Mit RS 8,8 bis RS 8,9 entluden sich die aufgebauten Spannungen der Eurasischen und der Pazifischen Erdplatten, die sich pro Jahr um ca. 8 bis 10 cm gegeneinander verschieben. Als Folge dieses Erdbeben entstand ein verheerender Tsunami, der auf die Ostküste von Japan zurollte und mit Wellen bis zu 10 Metern Höhe gewaltige Schäden anrichtete.

Während des Tages gab es dann eine alarmierende Nachricht: In einem Kernkraftwerk (AKW) waren die Kühlsysteme ausgefallen.

fukushima akwKernkraftwerk Fukushima

Das gesamte Kühlsystem werde nur noch durch Notstromaggregate/Batterien aufrechterhalten. Diese Situation ist sehr kritisch und gefährlich. Das Kühlsystem sorgt dafür, dass die Brennstäbe in der Reaktorkammer nicht überhitzen können. Die Temperaturen, die bei einem Versagen des Kühlsystems entstehen, werden mit >3.000 Grad Celsius angegeben. Material, welches so heiß werden kann, ist in der Lage, sich durch nahezu sämtliche Materialien, die zum Schutz der Umwelt in einem Reaktor vorhanden sind, durchzuschmelzen. Aus diesem Grund spricht man deshalb auch von Kernschmelze. Diese ist in der Vergangenheit zwei Mal vorgekommen. Zum einen, die auf den Reaktor begrenzte Schmelze von Three Mile Island vom 28. März 1979, zum anderen die katastrophale Kernschmelze von Tschernobyl vom 26. April 1986. Letztere setzte massive Radioaktivität in große Bereiche der Umwelt frei. Bis heute ist Tschernobyl unbewohnbare Sperrzone.

Im Lauf des Freitags war es nun nicht möglich, das Kühlsystem wieder in Gang zu setzten. Dies mündete am Samstag schließlich zu einer Explosion des Reaktorgebäudes.

Explosionen dieser Art werden in der Regel durch ein Wasserstoff/Sauerstoff-Gemisch verursacht. Dieses entsteht, wenn Wasser unter sehr hohen Temperaturen in seine atomaren/molekularen Bestandteile (also Wasserstoff und Sauerstoff) aufgespalten wird. Das entstehende Gasgemisch reagiert extrem exotherm, unter Freisetzung von sehr viel Energie. Es ist nach momentanem Stand davon auszugehen, dass eine, mindestens partielle Kernschmelze stattgefunden hat. Dies wird zur Stunde (12. März 2011 gegen 19.30 Uhr) von den Offiziellen der japanischen Regierung nicht bestätigt.

B) Mein Ergebnis

Zu Beginn der 80iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts kam mit den Grünen eine Umweltschutzbewegung auf, die sich insbesondere auch gegen die Nutzung der Atomkraft richtete. Damals war ich persönlich absolut für die Nutzung der Kernenergie. Der Three Mile Island Störfall war für mich eine unglückliche Verkettung von Umständen, die so unwahrscheinlich war, dass sie nie wieder vor kommen würde. Als dann 1986 Tschernobyl schmolz, wurde mein Vertrauen in diese Technologie zum ersten Mal erschüttert, zumal Norddeutschland zwar nicht den vollen Fallout zu spüren bekam, jedoch trotzdem betroffen war. Zu dieser Zeit studierte ich in Göttingen. Im Laufe der Zeit redete ich mir jedoch ein, dass die Tschernobyl-Katastrophe darauf zurückzuführen war, dass die Funktionäre der damaligen Sowjetunion einfach geschlammt hatten. Ende der 80iger Jahre bestätigte sich dann auch mit dem Zusammenbruch des Ostblocks, dass das ganze System massiv marode war. Ganz konnte ich jedoch nicht das Gefühl verdrängen, dass diese Technologie unter Umständen doch nicht so sicher war, wie ich anfänglich geglaubt hatte. Im Laufe der letzten 25 Jahre wurde ich schließlich zu einem Gegner dieser Technologie. In dieser Zeitspanne fanden mehr oder weniger oft Störfälle statt. Keiner dieser Störfälle hatte jedoch umweltbezogene Auswirkungen (siehe allerdings Leukämiecluster Elbmarsch). Gleichwohl wurde für deutlich: diese Technologie ist zu gefährlich. Zunehmend empfand ich die Diskussionen um diese Technologie wirtschaftlichen und damit politischen Interessen untergeordnet.

Nach dem heutigen Tag steht für mich fest: AKW müssen so schnell wie möglich abgeschaltet werden. Diese Technologie ist definitiv nicht beherrschbar. Wirtschaftliche Interessen hin oder her. Keine Technologie und kein noch so geartetes Interesse rechtfertigt die Gefährdung von Millionen von Menschen. In dieser Sekunde sind in Japan im schlimmsten Fall ca. 30.000.000 Menschen einer atomaren Gefahr ausgesetzt. Eine unfassbare Dimension. Es mutet schon blasphemisch an, die Argumentation zu führen, dass das AKW gut funktioniert habe und schließlich das Erdbeben der Auslöser für diesen Störfall war. Das ist genau der Kern des Problems. Naturkräfte sind dann, wenn sie erst mal entfesselt sind, von Menschen nicht und nicht mehr beherrschbar. Natürlich wurde das AKW in der Erdbebenzone nach ‚menschlichem Ermessen‘ konstruiert und gebaut. Menschliches Ermessen reicht aber nicht aus. Das Restrisiko, welches heute in aller Offensichtlichkeit eingetreten ist, hat die Schadensdimension des Erdbebens und des nachfolgen Tsunamis um ein mehfaches potenziert. Dies muss in Zukunft verhindert werden, damit solche Bilder eindeutig der Vergangenheit angehören:

radioaktiv

… oder wer möchte dem kleinen Kind das Märchen vom allmächtigen Menschen erzählen, der sich aufmachte, die Natur zu zähmen?

Ich hoffe und glaube, der heutige Tag wird ein Einschnitt bedeuten.

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