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Zwei Bankräubergeschichten …

17 Jan

(1)

Kelly ist und war immer schon ein Bankräuber. Seine erste Bank hatte er bereits mit 20 Jahren überfallen. Heute ist er 39 Jahre alt. Zugegeben, seine Raubzüge waren allesamt nicht so ganz erfolgreich. Mal hier, mal da ein paar Tausend Euro. Aber er konnte sich Eines rühmen: Er war nie erwischt worden. Er war so geschickt, dass er nie Spuren hinterließ, nicht ein einziges Mal. Bisher hatte es nie gereicht, seinen Traum zu erfüllen. Sein Traum … ja … er hatte immer danach gestrebt. Einen Deal – so nannte er seine Überfälle – zu landen, der es ihm ermöglichen würde, ein schönes Leben zu führen. Gar nicht so anspruchsvoll. Einfach nur in einem schönen Haus auf dem Land leben und das Dasein genießen. Und doch, eines Tages hatte es tatsächlich funktioniert. Dieser Tag hatte nun sein Leben verändert.

An einem verregneten Herbsttag des letzten Jahres war sein Geld mal wieder knapp geworden. So überlegte Kelly einen neuen Deal. Zufälligerweise hatte in der Metropole eine neue Bank eröffnet. Sie residierte in einem uralten Gebäude, welches auf eine ehrbare Geschichte zurückblicken konnte und schon so manches erfolgreiche Unternehmen beherbergt hatte. Kelly überlegte, dass es sich um eine gute Bank handeln müsse. Er hatte zudem irgendwie das Gefühl, die Sicherheitsmaßnahmen würden unter Umständen nicht ganz optimal sein. Es schien ihm so, dass es gar nicht so einfach sein würde, in einem alten Gebäude alles auf den neuesten Stand zu bringen. Irgendetwas hatte man übersehen. Dazu kam, dass ihn sein Gefühl noch nie im Stich gelassen hatte.

Am Monatsende, so der Plan, würde sich aller Vorsicht nach eine gewisse Menge an Bargeld in der Bank befinden. Dies war immer so. Dementsprechend sollte der Deal am Monatsultimo stattfinden. Der Tag kam und der Deal gelang. Es war tatsächlich so, dass Kelly durch sein untrügliches Gespür, die entscheidende Schwachstelle der Sicherheitssysteme herausgefunden und für sich ausgenutzt hatte. Was Kelly nicht wusste, war, dass ausgerechnet an diesem Tag die Bank eine Bargeldversorgung anliegender Einzelhandelsketten durchführen wollte. Umso größer war seine Überraschung als er abends das Geld zählte, welches er erbeutet hatte. Es waren sage und schreibe 20 Millionen Euro. Er konnte es nicht fassen. Das war der, nein DER Deal seines Lebens.

In den nächsten Tagen verfolgte er gespannt die Nachrichten. Der Deal hatte ein außerordentliches Medienecho hervorgerufen. Und es war wie immer: Es gab keinerlei Hinweise auf ihn. Er überlegte nun, wie er sein weiteres Leben gestalten wollte. Ihm war klar, dass er auf keinen Fall den Fehler begehen durfte, jetzt über die Strenge zu schlagen. Er musste ganz unauffällig weiterleben. Eine Sache allerdings realisierte er in den nächsten Tagen. Er mietete sich in einem netten, kleinen Haus auf dem Lande ein. Es war nicht besonders luxuriös, ein kleines aber gepflegtes Landhäuschen eben. Mehr nicht.

So kam es, dass Kelly einen seiner größten Träume realisiert hatte. Zwei Jahre später wohnte er immer noch dort. Nicht ein einziges Mal war die Polizei, oder ein anderer Ermittler auch nur in seine Nähe geraten. Er hatte es durch sein geschicktes Vorgehen tatsächlich geschafft.

An einem Sommerabend des gleichen Jahres bekam er einen Anruf von seinem besten Freund. Die beiden verabredeten sich für die kommende Woche. Die Woche verging schnell. Kelly und sein Freund trafen sich bei ihm an einem Freitagabend. Es war traumhaft schönes Wetter. Kein Wind bewegte die alten Eichen, die auf dem Grundstück des Landhäuschens eine Ewigkeit schon standen. Bei einem Stück Grillfleisch und Bier unterhielten sie sich lange. Kelly hatte in den vergangen Jahren oft über seinen Deal und seine Lebensweise nachgedacht. Da war etwas in ihm, was sein Glücksgefühl beeinträchtigte. Zwar nicht besonders stark, aber es war da. So beschloss Kelly seinem Freund seine Geschichte zu erzählen. Er konnte sich absolut sicher sein, dass sein Freund ihn niemals verraten oder gar erpressen würde.

Kelly erzählte seine Geschichte. Er erzählte lange und sein Freund hörte ihm zu. Während er erzählte wurde ihm klar, dass es ihm nun besser ging. Weiterhin erkannte er auch, was ihn bisher an seinem vollkommenen Glück gehindert hatte. Er hatte nun jemanden gefunden, dem er sich anvertraut hatte. Er schloss mit folgenden Worten: „Eines kannst Du Dir gewiss sein: ich habe erkannt, dass ich Unrecht getan habe. Ich habe anderen Menschen etwas weggenommen, was nicht mir gehörte. Das ist irgendwo nicht gerecht. Aber eines weiß ich genau und das habe ich für mich beschlossen: Ich werde, egal was andere Menschen tun, so etwas nie wieder machen.“

10 Jahre später…

Der Freund von Kelly, der übrigens Max heißt, ist immer noch ein kleiner Angestellter eines größeren Unternehmens. An einem unbedeutenden Tag saß er an seinem Schreibtisch und hörte, wie immer, die Nachrichten des laufenden Tages. Eine Nachricht fiel ihm auf. Er legte seinen Stift aus der Hand und lauschte gespannt. Die Nachricht beschrieb einen spektakulären Banküberfall, bei dem 50 Millionen EURO erbeutet wurden. Max dachte sofort an Kelly. Er grinste in sich hinein und sinnierte, dass so ein Deal (so nannte Kelly ja seine Überfälle) zu Kelly passen würde. Gleichzeitig verwarf er jedoch diesen Gedanken vollständig, da er sich an den schönen Freitagabend damals in diesem wundervollen Sommer bei Kelly erinnerte. Kellys Worte hatten ihn beeindruckt.

Am folgenden Wochenende…

Max saß mit seiner Frau am Sonntagmorgen bei einem gewöhnlichen Frühstück. Es gab Eier mit Speck, frische Brötchen und Kaffee. Wie an jedem Wochenende in dem Leben dieser beiden, lief das Fernsehen. Eine belanglose Kochsendung störte die Ruhe. Max interessierte sich nicht dafür und so kam es, dass er die Sonntagszeitung aufblätterte. Was er dort sah verschlug ihm den Atem. Auf der zweiten Seite war ein Artikel abgebildet. Der spektakuläre Bankraub war aufgeklärt worden. Die Zeilen umrahmten das Bild eines Mannes, den Max gut kannte. Es war Kelly. Man hatte in seinem Haus 62 Millionen EURO sichergestellt.

Max sprach noch lange Zeit mit seiner Frau über diese Geschichte. Auch Jahre später kam dieses Thema immer wieder vor. Beide fragten sich oft, warum Kelly nicht einfach so weitergelebt hat, wie er es an dem Sommerabend gesagt hatte. Sie fanden nie eine Antwort…

In einem unspektakulären Verfahren wurde Kelly zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er starb nach 4 Jahren Haft im Gefängnis. Die Todesursache war ein Rätsel für die untersuchenden Ärzte. Sie konnte nie aufgeklärt werden…

(2)

Kelly ist und war immer schon ein Bankräuber. Seine erste Bank hatte er bereits mit 20 Jahren überfallen. Heute ist er 39 Jahre alt. Zugegeben, seine Raubzüge waren allesamt nicht so ganz erfolgreich. Mal hier, mal da ein paar Tausend Euro. Aber er konnte sich Eines rühmen: Er war nie erwischt worden. Er war so geschickt, dass er nie Spuren hinterließ, nicht ein einziges Mal. Bisher hatte es nie gereicht, seinen Traum zu erfüllen. Sein Traum … ja … er hatte immer danach gestrebt. Einen Deal – so nannte er seine Überfälle – zu landen, der es ihm ermöglichen würde, ein schönes Leben zu führen. Gar nicht so anspruchsvoll. Einfach nur in einem schönen Haus auf dem Land leben und das Dasein genießen. Und doch, eines Tages hatte es tatsächlich funktioniert. Dieser Tag hatte nun sein Leben verändert.

An einem verregneten Herbsttag des letzten Jahres war sein Geld mal wieder knapp geworden. So überlegte Kelly einen neuen Deal. Zufälligerweise hatte in der Metropole eine neue Bank eröffnet. Sie residierte in einem uralten Gebäude, welches auf eine ehrbare Geschichte zurückblicken konnte und schon so manches erfolgreiche Unternehmen beherbergt hatte. Kelly überlegte, dass es sich um eine gute Bank handeln müsse. Er hatte zudem irgendwie das Gefühl, die Sicherheitsmaßnahmen würden unter Umständen nicht ganz optimal sein. Es schien ihm so, dass es gar nicht so einfach sein würde, in einem alten Gebäude alles auf den neuesten Stand zu bringen. Irgendetwas hatte man übersehen. Dazu kam, dass ihn sein Gefühl noch nie im Stich gelassen hatte.

Am Monatsende, so der Plan, würde sich aller Vorsicht nach eine gewisse Menge an Bargeld in der Bank befinden. Dies war immer so. Dementsprechend sollte der Deal am Monatsultimo stattfinden. Der Tag kam und der Deal gelang. Es war tatsächlich so, dass Kelly durch sein untrügliches Gespür, die entscheidende Schwachstelle der Sicherheitssysteme herausgefunden und für sich ausgenutzt hatte. Was Kelly nicht wusste, war, dass ausgerechnet an diesem Tag die Bank eine Bargeldversorgung anliegender Einzelhandelsketten durchführen wollte. Umso größer war seine Überraschung als er abends das Geld zählte, welches er erbeutet hatte. Es waren sage und schreibe 20 Millionen Euro. Er konnte es nicht fassen. Das war der, nein DER Deal seines Lebens.

In den nächsten Tagen verfolgte er gespannt die Nachrichten. Der Deal hatte ein außerordentliches Medienecho hervorgerufen. Und es war wie immer: Es gab keinerlei Hinweise auf ihn. Er überlegte nun, wie er sein weiteres Leben gestalten wollte. Ihm war klar, dass er auf keinen Fall den Fehler begehen durfte, jetzt über die Strenge zu schlagen. Er musste ganz unauffällig weiterleben. Eine Sache allerdings realisierte er in den nächsten Tagen. Er mietete sich in einem netten, kleinen Haus auf dem Lande ein. Es war nicht besonders luxuriös, ein kleines aber gepflegtes Landhäuschen eben. Mehr nicht.

So kam es, dass Kelly einen seiner größten Träume realisiert hatte. Zwei Jahre später wohnte er immer noch dort. Nicht ein einziges Mal war die Polizei, oder ein anderer Ermittler auch nur in seine Nähe geraten. Er hatte es durch sein geschicktes Vorgehen tatsächlich geschafft.

An einem Sommerabend des gleichen Jahres bekam er einen Anruf von seinem besten Freund. Die beiden verabredeten sich für die kommende Woche. Die Woche verging schnell. Kelly und sein Freund trafen sich bei ihm an einem Freitagabend. Es war traumhaft schönes Wetter. Kein Wind bewegte die alten Eichen, die auf dem Grundstück des Landhäuschens eine Ewigkeit schon standen. Bei einem Stück Grillfleisch und Bier unterhielten sie sich lange. Kelly hatte in den vergangen Jahren oft über seinen Deal und seine Lebensweise nachgedacht. Da war etwas in ihm, was sein Glücksgefühl beeinträchtigte. Zwar nicht besonders stark, aber es war da. So beschloss Kelly seinem Freund seine Geschichte zu erzählen. Er konnte sich absolut sicher sein, dass sein Freund ihn niemals verraten oder gar erpressen würde.

Kelly erzählte seine Geschichte. Er erzählte lange und sein Freund hörte ihm zu. Während er erzählte wurde ihm klar, dass es ihm nun besser ging. Weiterhin erkannte auch, was ihn bisher an seinem vollkommenen Glück gehindert hatte. Er hatte nun jemanden gefunden, dem er sich anvertraut hatte. Er schloss mit folgenden Worten: „Eines kannst Du Dir gewiss sein: ich habe erkannt, dass ich Unrecht getan habe. Ich habe anderen Menschen etwas weggenommen, was nicht mir gehörte. Das ist irgendwo nicht gerecht. Aber eines weiß ich genau und das habe ich für mich beschlossen: Ich werde, egal was andere Menschen tun, so etwas nie wieder machen. Und ich habe noch etwas zu tun…“

10 Monate später…

Der Freund von Kelly, der übrigens Max heißt, ist immer noch ein kleiner Angestellter eines größeren Unternehmens. An einem unbedeutenden Tag saß er an seinem Schreibtisch und hörte, wie immer die Nachrichten des laufenden Tages. Eine Nachricht fiel ihm auf. Er legte seinen Stift aus der Hand und lauschte gespannt. Die Nachricht beschrieb einen spektakulären Fund. Sicherheitskameras hatten aufgezeichnet, wie ein offenbar dunkelgekleideter Mann mit einem Rucksack auf seinem Rücken eine Bank betreten hatte. Nach dem Verlassen der Bank fehlte der Rucksack. Minuten später fanden ihn Bankangestellte. Dieser enthielt neben 17 Millionen EURO einen Brief an die Bank. In diesem entschuldigte sich der anonyme Mann für einen Bankraub, der vor einigen Jahren hier verübt worden war und niemals aufgeklärt werden konnte. Weiter sprach der Mann sein Bedauern darüber aus, dass er die vollständige Summe nicht zurückgegeben könne, da ihm hierzu die Mittel fehlen. Weiterhin, so der Nachrichtensprecher, gäbe es nicht die geringsten Hinweise darauf, wer dieser Mann sei.

Am folgenden Wochenende…

Max saß mit seiner Frau am Sonntagmorgen bei einem gewöhnlichen Frühstück. Es gab Eier mit Speck, frische Brötchen und Kaffee. Wie an jedem Wochenende in dem Leben dieser beiden, lief das Fernsehen. Eine belanglose Kochsendung störte die Ruhe. Max interessierte sich nicht dafür und so kam es, dass er mit seiner Frau über Kelly sprach. Er hatte lange, ja eigentlich bis heute darüber nachgedacht, was der letzte Satz von Kelly an diesem Sommerabend wohl zu bedeuten hatte.

Max sprach noch lange Zeit mit seiner Frau über diese Geschichte. Auch Jahre später kam dieses Thema immer wieder vor. Beide fragten sich oft, warum Kelly nicht einfach so weitergelebt hat. Warum hatte er das Geld zurückgegeben? Sie fanden nie eine Antwort…

Kelly lebt seit den Tagen seiner spektakulären Geldrückgabe in einer kleinen Wohnung am Rande der Stadt. Er ist Taxifahrer. Taxifahrer aus Leidenschaft. Er denkt nur noch selten an seine Bankräubervergangenheit. Manchmal bedauert er noch, dass er nicht in der Lage war, alles zurückzugeben. Sein Gewissen war immer noch ein wenig belastet. Aber sein täglicher Job, anderen Menschen einfach nur zu helfen und sei es, sie von einem Ort zu anderen zu fahren, machte es ein wenig wett.

Viel später …

Kelly starb mit 89 Jahren in einem kleinen Landhäuschen auf seinem Schaukelstuhl. Es geschah an einem Freitagabend eines wunderbaren Sommers. Sein starrer Blick war auf uralte Eichen gerichtet, deren Blätter sich leicht im Wind bewegten. Sein Hausarzt schrieb auf seinen Totenschein als Todesursache: Gestorben an Altersschwäche.

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Verfasst von - 17/01/2013 in Geschichte, Lyriks

 

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