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Archiv der Kategorie: Politik

Plagiatsaffäre um Annette Schavan

Heute liest man folgende Nachricht:

62% der Bundesbürger sehen in der Plagiatsaffäre einen Nachteil für die Kanzlerin Merkel. Die CDU/CSU sei geschwächt.

Ja, das mag sein. Für mich stellt sich jedoch die Frage nach dem System. Parteiübergreifend. Man kann schauen, wohin man will. Die heutige Generation unserer Volksvertreter ist eine Kaste von machtversessenen egoistischen Karrieristen. Sie kommen durch das System nach oben. Es sind reine Berufspolitiker. Wie in einer privatwirtschaftlichen Unternehmung, sehen sie ihren Erfolg in der Besetzung immer höherer Positionen. Sie setzen Karrierestreben mit Volksvertretung gleich. Verteufeln will ich das ganze nicht. Schlimm wird es dann, wenn illegale Methoden eingesetzt werden. Wenn also die eigene Qualifikation nicht ausreicht, um das Ziel zu erreichen, werden eben ‚andere‘ Methoden zu Hilfe genommen. Schavan und Guttenberg stehen genau für diese Gruppe von Menschen. In Deutschland hat sich dieses System etabliert. Und es ist schlimmer geworden. Heute gehen unsere zukünftigen Landeslenker direkt von Studium in die Politik. Sie haben nie etwas anderes gesehen (z.B. Dr. Philipp Rösler, Dr. Kristina Schröder). Was wollen wir von diesen Menschen erwarten? Sie kennen das Leben doch gar nicht. Aber sie wollen einen ganzen Staat lenken und führen. In den USA sieht das ganze etwas anders aus. Ein Politiker, der außerhalb der Politik keine Erfolge vorweisen kann, wir nicht ernst genommen. Auch gibt es dort den Status des Berufspolitikers nicht. Unser System wird sich sicherlich nicht ändern. Ich will ebenso nicht sagen, dass hier die USA ein Vorbild sein soll. Im Kern geht es darum, dass wir zukünftig genauer hinschauen sollten, wer sich da als Volksvertreter andient. Lasst uns die Finger von den Leuten fern halten, die noch ‚halb grün hinter den Ohren‘ sind. Sie kennen das Leben nicht. Lasst uns genau hinschauen, wenn wir von hohen Dekorationen geblendet werden sollen. Dr.-Titel, Professuren und hohe Ämter zeigen nicht wirklich, was in diesen Menschen steckt. Wenn sie in Parteien hochgewachsen sind, zeigt es mit Sicherheit jedoch eines: Diese Leute wissen, wie sie sich selbst am besten vermarkten und wie sie die eigenen Ziele am besten erreichen. Dabei ist dieses Streben nicht immer gekoppelt mit dem, was auch für die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes gut wäre. Stecken wir nun in einem Dilemma? Wie sollen wir denn beurteilen, wer gut oder nicht ganz so gut ist? Die Antwort ist schlicht: gar nicht. Dies kann man vorher nicht wissen. Kommen jedoch während der Amtsperioden nichtlegale Machenschaften heraus, dann müssen wir diese Menschen bekämpfen. Es darf nicht geduldet werden, dass Volksvertreter in ihrer Vergangenheit mit unsauberen Methoden ihre Ziele verfolgt haben. Das haben wir nicht verdient. Wer geschummelt hat, muss weichen! Immer. Nur so können wir zukünftig ähnliche Situationen vermeiden, die unserem Volk schaden. Ich bin gespannt auf politplag.de. Mittlerweile stehen hier diverse Politiker mit Dr.-Titeln … und alle werden untersucht werden. Also: Falls von diesen Politikern sich welche zu Wahl stellen, sollten sie genau wissen, was sie tun.

 
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Verfasst von - 10/02/2013 in News, Politik

 

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Das Disclosure Project. In Deutschland so gut, wie unbekannt, oder nicht?

Um eines vorweg zu sagen: Es geht mir mit dem unten dargestellten Link nicht darum, zu zeigen, dass es UFOs etc. gibt. Wobei, die Definition von UFO ist nur ‚unbekanntes Flugobjekt‘. Diese gibt es sicherlich. Also müsste ich genauer formulieren in dem ich sage, UFOs als Resultat außerirdischen Lebens.

Es geht mir eher darum, dass ich einfach nichts von dieser Pressekonferenz in Deutschland mitbekommen habe. Wenn sich irgendein dahergelaufener Prommi verschluckt, ist dies schon eine Pressemeldung wert. Vom Disclosure Project? Nichts. Zumindest bei mir nichts und ich las und lese viel Nachrichten.

Youtube-Video:

Noch etwas in diesem Zusammenhang: Die gescheiterte Phobos 2 Marsmission. Hiervon wusste ich durch die Medien in Deutschland. Ich kann mich sogar gut daran erinnern, da bereits damals merkwürdig viele Marsmissionen gescheitert waren. Aber weiter habe ich nicht darüber nachgedacht. Zu Weihnachten 2012 bekomme ich nun ein Buch geschenkt. In diesem Buch wird auf die unten dargestellte Story verwiesen. Das erstaunliche ist auch hier, dass es in astronomischen Fachzeitschriften und deren Archiven keine Hinweise darauf gibt, dass die Sonde kurz vor ihrem Aus noch Bilder gesendet hat, die einigermaßen spektakulär sind.

Youtube-Video:

Ich denke, jeder sollte einmal reflektieren, was uns durch die Medien dargestellt wird. Kann es sein, dass es in unserer Demokratie mit Pressefreiheit etc. nur um Manipulation geht; und zwar Manipulation von uns, damit wir nicht erfahren, was wirklich vor sich geht?! Ich hoffe, ich liege falsch.

Aktuell zu Phobos-Grunt: http://www.astronews.com/news/artikel/2012/01/1201-011.shtml,

http://www.stern.de/wissen/absturz-von-phobos-raumsonde-bei-chile-erwartet-1773761.html

Medienmeldungen zu “Leben im Universum”: Kölner Stadtanzeiger: http://www.ksta.de/html/artikel/1326285631433.shtml, Spiegel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,808706,00.html

NASA korrigiert Kurs; http://www.20min.ch/wissen/news/story/NASA-bringt-Mars-Sonde-auf-Kurs-21960118

Jupiter Mond Europa: http://www.n-tv.de/wissen/See-auf-Jupitermond-entdeckt-article4793971.html

Marsmissionen von Außen sabotiert? http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,809228,00.html,  http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,808273,00.html sowie http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2960168

 

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Richard Sulik: “Der Euro funktioniert nur, wenn Staaten pleitegehen“

Die FAZ hat heute ein Interview (<- hier zu öffnen) mit dem slowakischen Parlamentspräsidenten Richard Sulik veröffentlicht. In diesem Interview wird deutlich, dass die Slowakei gegen des EFSF im Parlament stimmen wird. Es kommt dann zu einer interessanten Sitaution: Die Erweiterung des Euro-Hilfsfonds EFSF setzt nach dem geltenden Rahmenvertrag voraus, dass ihr alle Staaten der Eurozone zustimmen. Ich bin äußerst gespannt, wie die EU diese Lage lösen will. Vielleicht durch den kompletten Ausstieg der Slowakei aus dem Rettungsschirm.

Ganz interessant sind seine Äußerungen zur Steuerpolitik, die ich hier als Auszug darstellen möchte:

Frage: “Das hochverschuldete Griechenland soll seine Einkommensteuer senken?”

Antwort: “Die meisten Griechen zahlen doch sowieso keine Steuern. Wenn sie ihr Steuersystem wasserdicht bekommen, so dass niemand mehr vor der Steuer flüchtet, könnte der Einkommensteuersatz auf 15 Prozent gesenkt werden – für alle. Parallel dazu müssen die Staatsausgaben sinken. Nur ein Beispiel: In der griechischen Armee gibt es 1300 Panzer und 134 000 Soldaten. Unser Land ist halb so groß, hat aber nur ein Zehntel so viele Soldaten. Es wird zwar immer auf den Konflikt zwischen Athen und Ankara verwiesen. Aber sind nicht beide Länder in der Nato?”

Der ein oder andere deutsche Politiker sollte sich vielleicht mit diesem Herrn einmal unterhalten. Ich denke, da gibt es etwas zu lernen. Es macht wohl doch einen Unterschied, wenn ein Politiker promovierter Ökonom ist und weiß, von was er spricht.

Richard Sulík

Siehe auch diesen Artikel: FAZ vom 1. Oktober 2011, mz-web.de, n-tv, ad-hoc-news

 
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Verfasst von - 02/10/2011 in News, Politik

 

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Ach so: “Lage der Banken „viel dramatischer“ als im Lehman-Jahr”

KfW-Chef Schröder ist besorgt über die Lage der Banken. Insbesondere deswegen, da die Staaten nicht noch einmal die Bank retten können: FOCUS Money Online Also ich frage mich, ob vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden weiteren Krise überhaupt jemals eine Rettung stattgefunden hat. Es ist wohl nur eine Aufschub eingetreten. Es ist nicht allein notwendig und hinreichend, dass den Banken von 2008 an Geld in Mrd.-Höhe zur Verfügung gestellt wurde, mithin sich Staaten zu Gesellschaftern der angeschlagenen Banken gemacht haben. Der Kern ist Vertrauen. Dass wir heute drastische Abwärtsbewegungen an den Kapitalmärkten sehen, bedeutet nur, dass die Anleger kein Vertrauen in die zukünftige Entwicklung haben und sich in vermeintlich sicherere Anlagewerte wie z.B. Gold flüchten. Eigentlich ist nichts geschehen. Nur das die nackte Angst vor dem Morgen umgeht. Banken verleihen keine Gelder mehr untereinander, weil sie Angst vor Abschreibungen ihrer Engagements haben. Damit kommen sie ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung nicht mehr nach. Jedem Unternehmer, der ein mittelständisches Unternehmen führt weiß eines ganz sicher: Vorsicht ist gut, aber Angst ist der falsche Ratgeber. Dann tut man nichts mehr und verschlimmert die Lage immer weiter. Übrigens: Auf die Politik brauchen wir nicht mehr zu warten. Dieselbe hat im EURO-Raum durch die vorzeitige Aufnahme von Griechenland entscheidend zur momentanen Situation beigetragen. Vielleicht mögen die Banken heute besser aufgestellt sein als im Herbst 2008. Trotzdem werden Stimmen laut, die Staaten sollten die Banken weiterhin finanziell unterstützen. Notfalls mit öffentlichen Geldern so IWF Chefin Lagarde. Sie verkennt die Lage. Die Staaten dürfen nichts mehr tun. Sie gefährden sonst sich selbst bzw. die Bürger aus denen Staaten bestehen. Hierzu auch: Ackermann kritisiert seine eigene Branche

 
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Verfasst von - 06/09/2011 in News, Politik

 

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Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Die etablierte FDP beginnt ihren endgültigen Fall. Nach dem Erdbeben in Japan und den Folgen im Rahmen der Atomkatastrophe ist die Partei wie die Atomenergie auf dem absteigenden Ast angekommen. Natürlich ist nicht auf Dauer sicher, dass es nicht zu einer Erholung der Wahlergebnisse kommt, aber das Profil ist zumindest zur Zeit nicht vorhanden. Nachdem die CDU/CSU letztlich nun ebenso die Abkehr von der Atomenergie propagiert, wie die Grünen seit ca. 30 Jahren, gibt es für den Wähler offenbar keinen Grund mehr diese Partei zu wählen. Aber dieser Gedanke ist zu einfach. Die Profillosigkeit der FDP beginnt und endet in den handelnden Personen der Parteispitze. Das ewige Gerangel um den ratlos, seriös angehauchten, außenpolitischen Held namens Guido Westerwelle gibt den Wähler keine Rätsel auf. Der Jungspund Rösler ist ebenso eine schon klassische, machtversessene Politfigur im ewigen Spiel um den Betrug am Wähler. Krass ist allerdings die Vorstellung, von nicht mal Grün-Hinter-Den-Ohren-Jungs, wie jenem, als Vizekanzler regiert zu werden. Gott bewahre! Aber der Wähler hat geschaltet. Die Rechnung ist schon ausgestellt. Es fehlt nur noch die Übergabe zur Bezahlung bei der nächsten Bundestagswahl. Bedauerlich an der heutigen Wahl ist das Abschneiden der Ultrarechten, deren Name nicht genannt werden soll. Im Gegensatz dazu ist eine (fast) neue Partei dabei, langsam aber sicher den Horizont zur Sichtbarkeit zu überschreiten. Die Piraten gewinnen momentan mehr als überproportional dazu. Und dies gefällt. Denn, nicht die Demokratie ist statisch und führt zu den Regenten, die das Volk verdient hat. Nur die Angst und das starre Wahlverhalten des Bürgers macht es den verbleibenden etablierten Parteien leicht weiter zu dilettieren. Aber Änderung beginnt in den Köpfen des Wähler und er muss sich nur trauen, von dem eingetretenen Pfad der Erfolglosigkeit abzuweichen.

Ausgewählte Internetseiten zur heutigen Wahl:

Spiegel Online, FAZ, FOCUS, ZDF – HEUTE, Das Erste – Tagesschau

 
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Verfasst von - 04/09/2011 in News, Politik

 

Tsunami könnte auch die Nordsee treffen

Wie man an dem unten dargestellten Artikel sehen kann, ist das menschliche Ermessen in Frage zu stellen. Die Atomkatastrophe von Fukushima führt uns vor Augen, dass atomar entfesselte Kräfte im Fall einer unerwarteten Notsituation nicht mehr beherrscht werden können. Die gilt auch für die vermeintlich sicheren Atomkraftwerke auf der ganzen Welt. Keine Argumentation kann hier Abhilfe schaffen; nur der Ausstieg aus dieser Technologie, so schnell wie möglich, ist die Lösung:

Originalquelle: Berliner Morgenpost vom 21. März 2011 von Daniel Wetzel

Vor 8000 Jahren raste eine meterhohe Welle durch die Nordsee. Sie wurde durch eine Hangrutschung ausgelöst, die wieder auftreten kann.

Auf dem Deich zwischen Brokdorf und Brunsbüttel ist es an diesem Nachmittag still. Im Rücken summen leise die Transformatoren des Atomkraftwerks, vorn glucksen die Wellen der Elbe ans Ufer. Japan ist ganz weit weg. Die Vorstellung, dass hier eine meterhohe Wasserwand von der Deutschen Bucht aus in die Elbmündung hereinrast und über den Hochwasserschutz der Kernkraftwerke bricht, scheint völlig absurd.

„Wir haben keine Tsunamis und keine Erdbeben.“Dieser große Unterschied zur japanischen Desasterzone wird von Bundespolitikern aller politischen Lager in diesen Tagen gebetsmühlenartig wiederholt. Beruhigend. Gut – der Romanautor Frank Schätzing hatte eine andere Vision in seinem Bestseller „Der Schwarm“ beschrieben. Da löste sich Methan-Eis am Meeresgrund vor der norwegischen Küste und brachte ein Stück des Kontinentalschelfs ins Rutschen. Der nachfolgende Tsunami verwüstet in Schätzings Buch halb Nordeuropa. Aber das ist nur literarische Fiktion. Gut ausgedacht.
Oder? Es schadet ja nicht, mal bei Fachleuten nachzufragen. Zum Beispiel beim Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel, IFM-Geomar. Überraschung. „Was Herr Schätzing beschrieben hat, war keine Fiktion“, erklärt ein freundlicher Mitarbeiter des renommierten Forschungszentrums: „Herr Schätzing hat sich hier sehr gründlich informiert. Es hat diesen Tsunami gegeben, er wurde vom Autor lediglich in die Gegenwart verlegt.“ Wie bitte?
Tatsächlich hat das Forschungszentrum Geomar gerade einen Aufsatz von Sebastian Krastel-Gudegast, Professor für Geodynamik veröffentlicht, „aus aktuellem Anlass“, wie es beim Institut heißt. Titel der Arbeit: „Submarine Hangrutschungen: Eine (unterschätzte) Naturgefahr?“ Darin beschreibt der Wissenschaftler, wie vor knapp 8000 Jahren am norwegischen Kontinentalrand ein Gebiet von der Größe Islands unter Wasser ins Rutschen kam und 800 Meter weit den Hang hinunter brach.

Diese sogenannte „Storegga Rutschung“ sei inzwischen sehr intensiv untersucht worden. „Funde an Land belegen, dass diese Rutschung eine zehn bis zwanzig Meter hohe Tsunami-Welle ausgelöst hat“, so Meereskundler Krastel: „Betroffen waren vor allem die norwegische Küste, aber auch die britische Küste und die Shetland-Inseln.“ Ob die Welle auch die damals noch völlig anders geformte deutsche Küstenlandschaft erreichte, lasse sich nicht mehr eindeutig nachvollziehen, heißt es bei Geomar. Aber: „Aktuelle Untersuchungen gehen davon aus, dass 25 Prozent aller Tsunamis durch submarine Hangrutschungen ausgelöst werden.“

Ob die Gashydrate auf dem norwegischen Kontinentalschelf erneut eine Unterwasserlawine mit Tsunami auslösen könnten, werde in der Wissenschaft „sehr kontrovers diskutiert“, sagt Krastel. Immerhin werde ja schon überlegt, das submarine Methan zwecks Energiegewinnung abzubauen. Was denkt der Experte für Geodynamik wenn er hört, mit welcher Selbstverständlichkeit Politiker die Existenz europäischer Tsunamis leugnen? Die Gefahr, dass ein Tsunami aus dem Nordostatlantik die deutsche Küste trifft, sei tatsächlich „sehr, sehr gering“, sagt Krastel. „Wir haben die flache Nordsee vor der Haustür, und Tsunamis laufen sich über flachen Meeren normalerweise aus.“
Tsunamis, die durch Hangrutschungen ausgelöst werden, können zwar höhere Wellen haben als durch Erdbeben ausgelöste. Dafür seien sie aber meist nur von begrenzter lokaler Ausbreitung. Es bleibt also ein minimales, verschwindend kleines Restrisiko. Aber das wussten wir ja schon vorher.

 

Angst vor Wahlausgängen bestimmt die Außenpolitik

Den folgenden Text habe ich heute in der Onlineausgabe der Welt am Sonntag gefunden. Ich kopiere ihn, um ihn hier dauerhaft lesen zu können.

Nachdem die libysche Revolution durch den brutalen und menschenverachtenden Militäreinsatz Gaddafis beinahe gestoppt worden ist, hat der UN-Sicherheitsrat beschlossen, Militäraktionen gegen Gaddafi möglich zu machen. Diesem Beschluss hat Deutschland nicht zugestimmt. Ich vermute, aus folgenden Gründen:

a) Das Wahljahr 2011: Eine Zustimmung hätte der Opposition weitere Angriffsmöglichkeiten gegeben.

b) Das Wahljahr 2011: Ein Atomkatastrophe in Japan hat die Schwarz-Gelb-Regierung in einer schwierige wahlpolitische Situation hingeführt.

c) Das Wahljahr 2011: Der Niedergang des christlich sozialen Medienpolitikers Guttenberg hat zu einer wahlpolitisch schwierigen Situation geführt.

Es ist bedauerlich, dass Politiker mittlerweile so weit gehen, das Schicksal von Menschen in Libyen ihren machtpolitischen Interessen zu opfern. In diesem Kontext verstehe ich den unten dargestellten Text:

Originalquelle: Welt am Sonntag vom 20. März 2011, Autor: Richard Herzinger

Eine Riesenblamage für unser Land

(D)iese Blamage wird nicht ohne Folgeschäden für die deutsche Außenpolitik bleiben. Mit seiner Enthaltung bei der Abstimmung über die Libyen-Resolution des UN-Sicherheitsrats hat sich Deutschland gegen die geschlossene Phalanx seiner engsten Verbündeten und in eine Reihe mit Russland und China gestellt. Deren Votum freilich ist immerhin als beachtliches Zugeständnis zu werten – machten die beiden als notorische Blockierer gefürchteten Vetomächte damit doch dem Westen den Weg frei, Libyens mörderischem Diktator Muammar al-Gaddafi endlich in den Arm fallen zu können. Deutschlands Affront gegen Europäer und Amerikaner – aber auch gegen arabische Staaten, die hinter der Resolution stehen und sich sogar an militärischen Aktionen zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung beteiligen wollen – offenbarte dagegen nur isolationistischen Starrsinn, Selbstgerechtigkeit und strategische Konfusion. Es sind Symptome einer Regression in die nationalpazifistische Borniertheit, die Deutschland unter Federführung seines Außenministers Guido Westerwelle droht.

Als es darum ging, sich mit folgenlosen Phrasen zu den Demokratiebewegungen in Nordafrika zu bekennen, fand man Westerwelle noch an vorderster Front. Über den hohen Wert der Freiheit zu schwadronieren, ist er schließlich von FDP-Parteitagen und liberalen Akademietagungen gewohnt. Und als es noch so aussah, als sei der Tyrannensturz in Libyen ein ähnlicher Selbstläufer wie in Tunesien und Ägypten, legten sich Westerwelle und mit ihm Merkel voller Gratismut darauf fest, Gaddafi müsse sofort abtreten und „zur Verantwortung gezogen“ werden.

Erst als offenbar wurde, dass die libysche Freiheitsbewegung ohne Eingriff von außen vernichtet werden würde, zeigte sich, was die markigen deutschen Solidaritätsbekundungen für die arabische Freiheitsrevolution wert waren: nichts. Jetzt wollten der liberale Großsprecher und seine eher kleinlaute Kanzlerin nur noch eins: bloß nicht „als Kriegspartei in einen Bürgerkrieg hineingezogen“ zu werden. Es sprach daraus die nackte Angst der schwarz-gelben Regierung, sich in einem Superwahljahr einen weiteren unpopulären Konflikt aufzuhalsen. So hat Guido Westerwelle die deutsche Außenpolitik binnen Kurzem in die seligen Zeiten des Genscherismus zurückkatapultiert, dessen oberste Maxime war, gefährliche Konfrontationen anderen zu überlassen – und die Verbündeten durch Kompensationshandlungen und -zahlungen bei Laune zu halten. Nach diesem Muster glaubt man nun auch, die brüskierten Bündnispartner durch das Angebot besänftigen zu können, Awacs-Flugzeuge nach Afghanistan zu schicken.

Tatsächlich aber hat sich Deutschland mit seinem Auftritt in New York nicht nur als verlässliche Säule globaler Sicherheitspolitik diskreditiert, es hat in einer weltpolitischen Frage ersten Ranges gleich auch noch die Fiktion einer gemeinsamen EU-Außenpolitik in die Luft gesprengt. Nicht einmal mit Gerhard Schröders und Joschka Fischers Konfrontationskurs gegen die USA im Irak-Krieg ist diese Haltung vergleichbar. Damals nämlich war der Westen insgesamt tief gespalten, und Deutschland stand beim Neinsagen in einer Front mit Frankreich, dem zweiten seiner wichtigsten Verbündeten. Dieses Mal aber hat es ohne Not alle seine Freunde auf einmal vor den Kopf gestoßen. Dass Gaddafi bereits auf die bloße Androhung von Gewalt hin zurückgezuckt ist und eine – wenn auch offenbar nur fingierte – Waffenruhe ankündigte, lässt den antimilitaristischen Alarmismus, mit dem Deutschland seine westlichen Partner als besinnungslose Kriegsabenteurer hinstellt, vollends absurd erscheinen. Dass Merkel und Westerwelle jetzt beteuern, voll und ganz hinter den Zielen der UN-Resolution zu stehen, unterstreicht noch den Widersinn der deutschen Position. Ziele zu unterstützen, aber die Mittel abzulehnen, die zu ihrer Realisierung führen, ohne andere Vorschläge vorweisen zu können, ist entweder infantil oder zynisch.

Dass Deutschlands Versagen in der Libyen-Krise dem eigenen Anspruch auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat förderlich sein könnte, dürfte nicht einmal Guido Westerwelle glauben. Wäre es nur darum gegangen, deutsche Soldaten aus dem Luftraum über Libyen herauszuhalten, man hätte dies dezent im internen Kreis der Nato regeln können. Doch Westerwelle wollte die große, weltöffentliche Verweigerungsgeste, um die in der heimischen Wählerschaft verbreitete Ohne-mich-Stimmung zu bedienen. Wie weit wird die vermeintlich glühende Transatlantikerin Angela Merkel auf diesem Abweg noch mitgehen?”

 
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Verfasst von - 20/03/2011 in News, Politik

 
 
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